Tourrettes

Ausgeruht stand ich zeitiger auf als sonst und war gegen 8:30 Uhr wieder auf der Straße. Dank der gestrigen Antrengung, standen heute ja “nur” 25 km auf der Liste und am Ende wartet ein Zeltplatz mit Dusche, Strom und benachbarten Supermarkt, dachte ich so vor mich hinlaufend. Eigentlich hätte ich es mir denken können, denn gestern deutete es sich bereits an. Ich bin im Gebirge, die Landschaft, in der ich die letzten Tage gelaufen bin, war umsäumt von imposanten Gebirgen und genau da befand ich mich nun, mitten drin. Es ging ordentlich hoch und runter. Der Tag begann mit einem krassen mehrere Kilometer langen Anstieg und wurde belohnt mit atemberaubenden Aussichten. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, so etwas hier in der Provence zu finden. Dann ging es wieder bergab, nur um danach wieder bergauf zu gehen. Die Straßen waren bildlich schön, doch sie waren auch sehr eng und unfassbar viele künstliche Blumen, Inschriften und andere Trauerbekundungen wiesen auf die Gefahr hin. Die Landschaft erinnerte mich an unseren letzten Spanien Urlaub in Andalusien, Korkeichenwälder, Pinien, die Gebirge, Felsen und hoch oben liegende Dörfer. 

Alles war wunderschön, nur das Laufen mit dem vielen Gepäck war enorm anstrengend. Die engen Straßen forderten hohe Aufmerksamkeit und die vielen Serpentinen verlangten häufige Seitenwechsel, damit man so gut es ging, vom Verkehr gesehen werden konnte. Natürlich kostete auch das bergabwärts gehen sehr viel Kraft, zwar weniger in den Beinen, umso mehr in den Armen.

Die 25 km hatten es in sich, in jeder Hinsicht, sie waren wunderschön und gleichzeitig auch knüppelhart. Aber irgendwann lagen auch sie hinter mir. Kein ganzer Kilometer war noch zu gehen, da verlief der Weg durch ein nicht vorhandenes Tor und alles fühlte sich nach Privatgrundstück an. In der App sah ich, dass, wenn ich diese enge Schnellstraße weitergehe, eine andere Straße auch nach oben zum Campingplatz führt. Doch stoisch folgte ich den vorgeschlagenen Weg der App. Es ging nochmal steil bergauf, auf einem Feldweg, dann kamen Häuser, es fühlte sich an, als ginge ich durch deren Gärten, am Swimmingpool vorbei und noch ein steiler Absatz nach oben. Dann war es soweit nur noch wenige Meter nur noch eine Straße zu überqueren und plötzlich stand ich vor einem verschlossene Tor und kam nicht auf die zu überquerende Straße. Ein kurzes Schütteln und ich ging zurück, die superenge Schnellstraße entlang, bis der ersehnte Abzweig kam. Dieser war zwar asphaltiert, gehört aber mit zu den steilsten Straßen, die ich auf meinem Weg bisher gelaufen bin. Ich kämpfte mich hoch und stand bald vor dem verschlossenen Tor, hinter dem ich vor einiger Zeit stand und nicht weiterkam. Nun kam ich weiter, noch eine Kurve und da stand ich wieder vor einem verschlossenen Tor. Hinter ihm befand sich ein absolut menschenleerer, dennoch gepflegter Campingplatz.

Ich setzte mich auf den Bordstein und musste feststellen, hier hätte ich besser lesen sollen. Denn hier muss man sich übers Internet anmelden, dann kommt jemand vorbei und schließt auf. Dies erfuhr ich dann auch, von einem sehr freundlichen, neben mir anhaltenden Motorradfahrer. Verunsichert fragte ich ihn, ob der andere Campingplatz hier in der Nähe existiert? Nach der Bejaung dieser Frage war ich auch schon auf dem Weg dahin. Dort angekommen freute ich mich, dass sie einen Platz für mich hatten. Ich freute mich auch darüber, dass ich gestern Geld am Automaten abgehoben hatte, denn ich landete wohl am einzigen Ort in Frankreich, wo man nicht mit Karte bezahlen konnte. Und ich freute mich über den unglaublich freundlichen Umgang miteinander. Es schien, als ob die Leute in den mobile Homes, hier länger wohnten, denn in der Rezeption waren Postfächer angelegt, deren Inhalt auch ständig abgeholt wurde. Auch freute ich mich über einen Ruhetag, denn am nächsten Tag war Gewitter und Regen vorhergesagt. Also erstmal die pure Freude!

2 Comments
  • Steffi Hohlfeld
    Posted at 11:56h, 05 September Antworten

    Wunderschöne geschrieben👍Ich hoffe da kommt mal ein Bucj🤗

    • firepress
      Posted at 22:44h, 07 September Antworten

      Hallo Steffi, herzlichen Dank für diese lieben Worte und ja, ich denke da kommt auch ein Buch dazu.

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