San Remo

Ich war etwas verdutzt, was die Italiener für einen Stress machten, denn bis 10:00 Uhr musste ich vom Campingplatz sein. Zwar wollte ich sowieso nicht länger bleiben, aber das macht schon etwas unnötigen Druck. 

Mein Weg führte mich nicht mehr in die Stadt, sondern an der Straße, am Strand entlang. Dieser Weg war, anders als die Stadt, er war schön und hatte Charme.

Um etwas fürs Frühstück zu kaufen, ging ich in einen kleinen Supermarkt und freute mich. Er war gut sortiert, sauber, im Gegensatz zu Frankreich gab es einige Produkte unter einem Euro, eine riesige Auswahl an Keksen und frisch zubereitete Pizzaecken, welche sehr einfach belegt waren, z.B. mit Tomaten und Oliven oder Zwiebel. Eine solche Ecke wurde auch mein Frühstück. Währen ich das aß, zogen dicke Wolken auf.

Regen bekam ich nicht ab, dafür unglaublich schöne Lichtblicke. Das Meer änderte ständig seine Farbe, die Sonne brach mal hier mal da durch die Wolken und sorgte für Mystik und Dramatik. Ich genoss diese Anblicke und lies mich verzaubern, machte unzählige Fotos mit dem Handy, ärgerte mich, wegen des, in Nizza heruntergefallenen Objektives, denn mit dem Fotoapparat hätte ich hier viel mehr zaubern können und ging langsam weiter, um immer wieder stehen zu bleiben.

Mein heutiger Weg war nur 13 km lang und so erreichte ich den Campingplatz in einem Vorort von San Remo bereits um 14:00 Uhr. Das war gut, so hatte ich genügend Zeit, den kommenden Schock zu verdauen und meinen dicken Hals, dünn werden zu lassen. Das “Buengiorno” klang automatisiert, ohne ein Lächeln, ohne ein Zeichen des Wilkommenheißens, schon nach Sekunden hatte ich das Gefühl “Gib mir dein Geld und hau ab!” 

“Wie lang wollen sie bleiben?” 
“Zwei Nächte, bitte.”
“Okay, eine Nacht kostet 60 Euro, ohne Strom, mit Strom 66 Euro.”
“Meinen sie wirklich 60, also Sechs, Null oder 16, Eins, Sechs?”
“Sechzig!”
“Wow, ich hab auf meiner 4-monatigen Reise schon viele Campingplätze besucht, aber keiner war annähernd so teur wie dieser.”

Gelangweilte Augen des Abarbeiters der Rezeption schauten mich an. Viele Gedanken gingen durch meinen Kopf, am liebsten wäre ich weitergegangen, aber die letzten Tage hatte ich durchgeplant und hatte keine Lust mehr auf Abenteuer.

“Eine Nacht!”
“Dann bekomme ich noch 50,-Euro in bar, für die Aufladung dieser Karte, welche auch als Türöffner dient. Kaufen sie hier etwas, wird das davon abgezogen, den Rest bekommen sie beim Verlassen wieder.”

Danach zeigte er mir meinen Platz auf einer Karte und ich hatte die teuerste Zeltnacht meines Lebens gebucht. Der Platz war ein mit Betonsteinen gepflasterter Parkplatz, neben vielen anderen. Direkt neben mir stand ein dicker Audi Combi mit österreichischem Kennzeichen. Schnell kam ich mit dem netten Pärchen ins Gespräch und staunte nicht schlecht, dass sie in diesem Audi schliefen, es als Wohnmobil nutzten. Danach ging ich noch einkaufen und dann nutzte ich den campingplatzeigenen Strand, um ins Meer schwimmen zu gehen. Die Duschen auf dem Platz ähnelten, welchen aus einem Hotel. Aber nichts machte den Preis und die Unfreundlichkeit, der in der Rezeption arbeitenden Abarbeiter wett.

Zum Glück waren die Menschen auf dem Platz nicht so, wie es mich diese Lokalität vermuten ließ. Alle waren freundlich, tolle Gespräche und Geschichten wurden ausgetauscht. Der Platz war, wie alle am Meer, ausgebucht.

Ich ärgerte mich nicht lange über den Preis und genoss den Tag in vollen Zügen.

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