Ich brauche etwas Zeit

Nachdem ich das Zelt aufgebaut und im Minimarkt 3 große Getränkeflaschen erstanden hatte, viel ich in meinen Stuhl und alle Gefühle überschlugen sich, so als ob sie sich darum stritten, diese unglaublich schöne Aussicht für sich alleine haben zu wollen. Tränen strömten förmlich zum Meer, Zweifel drängten sich auf, Erschöpfung machte sich breit und die Müdigkeit dämpfte all meine Wahrnehmungen. Nur das Glück, vor welchem ich in diesem Moment hätte platzen müssen, das versteckte sich irgendwo in der hintersten Ecke. Mein Kopf wusste, eigentlich müsste ich jetzt glücklich sein, aber Augen, Körper und vor allem das Herz wollten das nicht zu lassen. 

Es war schon dunkel und ich lag auf der Isomatte, bereit ins Land der Träume zu wandern, da durchfuhr mich der Impuls, mal in die Wetterapp zu schauen. Genervt tat ich das und sah Regen und Blitze für heute Nacht. Da fiel mir auch wieder die Warnung der Rezeptionistin ein. Also pellte ich mich wieder raus, deckte den Wagen mit einer Plane ab und schnürte alles fest. Zurück im Zelt, fiel ich direkt von der Isomatte ins Land der Träume. Bis irgendwann in der Nacht jemand sehr kräftig am Zelt rüttelte, dabei Kieselsteine aus Zelt rieseln lies und draußen das Lich anmachte. Einen solchen Sturm hatte ich noch nicht erlebt! Das Zelt wurde hin und her gerissen, verblieb manchmal für eine Minute in einer deformierten Haltung um dann seinen extatischen Tanz fortzusetzen. Ca. eine Stunde war der Himmel hell erleuchtet von Blitzen und der Regen verursachte einen Höllenlärm im Zelt. “Toll!” Dachte ich “ICH BRAUCHE SCHLAF!!!” Dann löste sich der Eingang vom Hering und brachte den extatischen Tanz auf ein neues Level. Alles, was im Vorzelt stand war plötzlich im Freien und binnen Sekunden pitsche Nass. Ich räumte diese schlammig, nassen Dinge, wie Wanderschuhe, Socken, Lebensmittel schnell ins heilige Innere des Zeltes und lies den Eingang seinen Spaß. Nun spielte der Schlafmangel seine Vorteile aus und lies mich, trotz des Weltuntergangszenarios friedlich einschlafen.

Die erste Tätigkeit am nächsten Morgen, war ein Rundgang ums Zelt. Diese Bestandsaufnahme zeigte, dass sich noch zwei weitere Befestigungspunkte des Zeltes vom Hering gelöst hatten. Diese befestigte ich wieder und brachte noch weitere 5 Heringe an, nutzte dabei jeden mir zur Verfügung stehenden Befestigungspunkt, denn der Wind hatte sich noch lange nicht ausgetobt. Als ich die Heringe mit einem Stein malträtierte, kam ein sehr netter französischer Herr vom Nachbarzelt und gab mir einen Hammer.

Eigentlich wollte ich eine Nacht bleiben, meine Sachen neu ordnen und sofort wieder losziehen. Doch ich merkte schnell, dass etwas mit mir nicht stimmte. Trübsal blasen ist absolut nicht meine Art, aber genau das tat ich. Okay, ich war noch immer sehr müde, vor allem war ich traurig, weil mir Johanna fehlte, aber da war noch mehr, etwas was nicht benennen konnte. Da vielen mir Rikkes Worte ein “Wenn dir das Laufen mal keinen Spaß mehr macht, bleib an einem Ort und finde heraus warum.” Rikke war die Dänin, die ich vor einiger Zeit auf einem Zeltplatz kennenlernte, welche schon seit drei Jahren durch die Welt läuft. Diesen Rat befolgte ich und beschloss erst dann wieterzugehen, wenn ich wieder klar in der Birne bin. Zwar ist es hier megateuer, aber dafür paradiesisch schön, der richtige Platz um Kraft zu tanken, Ideen zu finden und sich zu sammeln.

Der weitere Weg war unklar, die Motivation war weg, der Zeitpunkt, an dem ich wieder mit Johanna zusammen durch die Welt streife, war nicht greifbar. Diese Dinge mussten irgendwie gelöst werden. 

Am Nachmittag kundschaftete ich einen Weg aus, den ich vor hatte mit dem Wagen zu gehen, wenn ich von hier starte. Auch wenn sich das als irrwitzig herausstellte, mit dem Wagen hier entlang zugehen. Weil es ein steiler, enger, mit Treppen verseuchter, wunderschöner Panorama-Küsten-Weg war, so spürte ich wie gut diese Bewegung, diese Luft, diese Ausblicke, dieses kleine Abenteuer tat. Ein Hauch von Freude, ein kleiner Anflug des Glücks kamen auf, zwar nur im Kopf, aber einige Veränderungen brauchen Zeit und müssen wachsen.

Am nächsten Tag wollte ich meine Sachen neu packen und wieder mal versuchen, Dinge auszusortieren. Es war eine Herausforderung, denn der Wind hatte noch immer eine Menge Spaß. Ich breitete die Plane aus, beschwerte sie mit vier großen Steinen und räumte enthusiastisch alles aus, nur um es dann, wie bei allen vorherigen Versuchen, voll deprimiert, wieder genau so einzuräumen. Ich weiß ich habe viel zu viel Zeugs mit, trotzdem weiß ich nicht was weg kann.

Nach dem Spaziergang von gestern, war mir bewusst, ich muss mich bewegen. Also ging ich eine Runde in die entgegengesetzte Richtung am Meer entlang. Es war phantastisch, umwerfend schön, kleine Buchten, steile Klippen, Steilufer, die durch die Erosion zerfallen und jeder Blick ein märchenhaftes Panorama in dem man verweilen möchte. Sogar Marseille konnte ich in der Ferne sehen.

Langsam kehren die Klarheit in der Birne und die Motivation zurück, ich merke, wie gut das Verweilen an diesem Ort tut. Nun möchte ich endlich wieder mit Freude und Glück an Johanna denken, statt mit Traurigkeit, aber das wird wohl noch etwas dauern. Auch die gemeinsame Reise nimmt wieder Konturen an, aber es ist noch ein langer Weg. Wir müssen etwas finden um unterwegs Geld zuverdienen und das ist nicht so einfach. Social Media, kann es möglich machen, aber das ist nichts kurzfristiges. Von Anfang an wollte ich euch eigentlich auch auf youtube mit auf die Reise nehmen, doch bisher hatte mich die Reise zu sehr gefordert. Doch von dem Tag, an dem ich hier losgehe, werde ich auch Filmen und es dann, hoffentlich regelmäßiger als bisher den Blog, veröffentlichen. 

Johanna und ich arbeiten auch an einem Buch über unsere Reise zu Fuß zum Mittelmeer. Vielleicht öffnen wir hier eine Art Reisekasse, ein Paypal-Konto, auf dem ihr uns unterstützen könnt. Wobei ich mich damit sehr schwer tue, das kommt mir vor wie betteln, was ich nie wollte. Was haltet ihr davon? Habt ihr noch Ideen, wie wir unsere Reise gemeinsam fortsetzen könnten? Schreibt uns doch bitte mal eure Meinung, hier in den Kommentaren oder über Instagram oder eine e-mail an info@latefire.eu

 
4 Comments
  • Dirk Kramer
    Posted at 09:54h, 21 August Antworten

    Hallo Frank,

    von Anfang verfolge ich deinen Blog und deinen Fortschritt. Ich hoffe, du findest an diesem Ort die nötige Motivation, um weiterzumachen, denn so ein Abenteuer erlebt man nur einmal im Leben. Die Idee mit dem PayPal Konto finde ich ziemlich gut und sehe das auch nicht als betteln, sondern du teilst ja deine Momente mit anderen und dies kann man ja durchaus unterstützen. Eine weitere Möglichkeit wäre, einen Sponsor zu finden, der einige Kosten übernehmen könnte. Neben der Plattform YouTube ist vielleicht Twitch auch noch eine Option. Auf deiner weiteren Reise wünsche ich dir dennoch viel Glück und eine Menge Spaß.

    Liebe Grüße Dirk

    • firepress
      Posted at 10:07h, 21 August Antworten

      Lieben Dank Dirk,

      das PayPal-Konto werde ich wohl bald einrichten und mit Youtube beginne ich sobald ich hier losgehe. Da bin ich total gespannt, das wird anfangs bestimmt ziemlich peinlich =)

  • Giovanna Petersen
    Posted at 19:39h, 30 August Antworten

    Hallo, lieber Frank, du weisst ja, wie Christine Thürmer es macht. Zwischen ihren Touren macht sie eine Pause und schreibt an ihren Büchern, die sie dann durch ihre Vorträge in den Buchhandlungen sehr gut vermarktet. Das könntest du auch machen. Du hast eine super schöne Erzählsprache, und ich glaube, eine Pause einlegen nach einer bestimmten Strecke tut gut, alleine schon um das Erlebte für dich zu verarbeiten und um es mit deinen vielen fans zu teilen. Das gleiche gilt für Johanna. Und die Pausen sind auch gute Gelegenheiten, wieder Geld zu verdienen und die Reise Kasse aufzustocken. Erzieherinnen werden immer dringend gesucht u dir würde auch etwas einfallen neben dem Schreiben und dem Planen für die weitere Tour…. so viel mal, was mir spontan einfällt. Viele liebe und aufmunternde Grüsse von Giovanna

    • firepress
      Posted at 20:28h, 30 August Antworten

      Allerliebsten Dank Giovanna, das blöde Geld ist, natürlich wie bei vielen auch, unser Hauptproblem. Für Vorträge und Bücher, bin ich zu klein, kein Verlag würde mich nehmen. Natürlich habe ich vor eins oder ein paar zu schreiben, aber die muss ich dann selbst verlegen und dafür habe ich zu wenig Reichweite. Aber das mit den Pausen scheint immer wichtiger zu werden, so saß ich heute den ganzen Tag auf einem Campingplatz in meinem Campingstuhl an einer Steckdose, um die letzten 6 Blogartikel zu veröffentlichen, jetzt bin ich total gaga in der Birne und will morgen weitergehen. LG Frank

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